Aus der Reihe gefallen – die Herbst-Drehwurz

Eine kleine Rarität auf der Schwäbischen Alb ist die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis). Diese Orchidee unterscheidet sich von ihren auf der Alb heimischen Familienmitgliedern in erster Linie dadurch, dass sie hat ihre Blütezeit erst im Herbst hat. Nur noch in wenigen Wacholderheiden und Magerrasen kann sie auf der Schwäbischen Alb aufgefunden werden. Grund dafür ist ihr hoher Anspruch an den Standort. Da die Orchidee mit ihrem Wuchs und maximalen Höhe von 30 cm sehr zierlich ist, bekommt sie durch zu viel Konkurrenz in unmittelbarer Umgebung zu wenig Licht und geht ein. Daher sind vorwiegend spärliche, kurze Bereiche von Magerrasen mit bevorzugt saurem, selten auch kalkhaltigem, Boden ihr Lebensraum. Wie für viele andere Orchideenarten der Schwäbischen Alb ist deshalb die Beweidung durch Schafe enorm wichtig. Erst durch Ackerbau und Viehzucht des Menschen war es möglich, dass sich die ursprünglich im Mittelmeerraum beheimaten Pflanzen auch hier ausbreiten konnten.

Findet die Beweidung zur richtigen Zeit und mit wandernden Schafherden statt, wird der Verbuschung der Flächen vorgebeugt und die Kulturfolger finden ihren Lebensraum und genug Fortpflanzungsmöglichkeiten. An einigen Standorten ist es durch vermehrte Pflegung solcher Flächen durch den Naturschutz gelungen, die Anzahl der Pflanzen deutlich zu erhöhen. Im Allgemeinen ist aber die Anzahl der streng geschützten Herbst-Drehwurz auf der Schwäbischen Alb und in ganz Deutschland durch Rückgang der Schafzucht und Aufforstung stark rückläufig.

Ab Juli / August beginnt der behaarte Blütenstängel aus dem Boden zu treiben. Zur Blütezeit bilden sich am mehr oder weniger verdrehten Stängel 8-30 Blüten, von denen jede einzelne nur wenige Tage blüht. Daher lassen sich im unteren Bereich bereits verwelkte Blüten beobachten während sich weiter oben an der selben Pflanze noch Knospen befinden. Zur Fortpflanzung dienen als Bestäuber Hummeln, eine Selbstbefruchtung der Blüte (Autogamie) kann durch die Wuchsform nicht stattfinden. Als Besonderheit unter den mitteleuropäischen Orchideen wachsen die Blütenstängel neben der Pflanze. Sie erscheinen zur Blütezeit, in ihrer Rosette wächst zur nächsten Saison der neue Blütenstängel.

Daniela Graf

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